Category Archives: Lyrik

Weltprobleme lösen

Du bist ziemlich krass
ich finde, du hast Potenzial.
Und ich hab eine Couch
dort ist Platz und Zeit für uns beide.

Deine Hornbrille spricht
von Filmen und Anspruch.
Auch ich habe Anspruch
und Filme, die ich dazu anschau.

Ich beschäftig mich gern
mit den wichtigen Themen:
Die Klimaerwärmung hab ich
auf Pilzen gespürt.
Ohne Scheiß: Zu mir sprach diese Erde.

Ich male auch Bilder, ihr Merkmal:
sie werden nie fertig.
Schreib gern Lieder
kann sie leider nicht greifen.
Wenn du magst, summ ich dir etwas vor.

Ja und immerzu denk ich
über die Zukunft und über die Menschheit
siehst du die Denkfalten
drüben im Leder der Couch?

Komm setz dich, wir suchen die Lösung gemeinsam
zuerst lös ich dein Haar
du meinen Gürtel und ich deinen Bra
und dann lösen wir auch alle Fragen
durch ein lautes und einfaches: Ja.

Wir so

Ein Beziehungsgedicht. In einfacher Sprache gehalten

Ich: Voll zufrieden.
Und sie so: Am Träumen.
Ich so: Die Kurven…
Und sie echt: Die Bäume.
Sie so: Die Dichter.
Und ich nur: So Leute.
Wir so: Ach, gestern!
Und wir so: Auch heute.

Sie so: Das Wetter!
Und ich so: Ein Auto!
Sie so: Wie herrlich!
Und ich einfach: Baukunst.
Ich so: Nur Spinner!
Und sie nur: So Leute…
Wir so: Ach, gestern!
Und wir so: Auch heute.

Ich: Perspektiven!
Und sie: Lauter Ketten…
Sie so: Geschichte!
Und ich: Nicht zu retten…
Sie so: Geschlechter.
Und ich halt: Das Leben.
Sie so: Gefangen…
Und ich so: Von wegen!

Sie so: Ich geh jetzt!
Und ich: Ach, vergib mir!
Sie so: Verletzung…
Und ich: Ich krepier hier!
Sie: …– ach, ihr Helden!
Und ich lach: Ihr Bräute!
Wir so: Ach, gestern!
Und wir so: Auch heute.

Zur Beerdigung der Menschheit

Mal etwas zur Dekontextualisierung.

Dekontextualisierung – ein schönes Wort.
Wir sind gut in den Worten.
Anstatt uns zu schämen, prägen wir sie
überholen das Dasein bei Weitem.
Lassen liegen das Nahe.
Bei Gott warn wir schon
durch die heiligsten Werte wateten wir.
Wir knackten das Tiefste der Seele
zum Ursprung der Völker wühlten wir uns
durch. Aber nie am Geschehen
wir rasten auf Überholspuren lang
stets im Gedanken, die Wirklichkeit sei
unsrer nicht würdig – was für ein Klang.

Ikarus

Gemeinplätze

Ich hab einen Vogel, der pfeift so gerne auf alles
er pfeift auf die Dinge noch aus dem letzten Loch
mit fremden Federn brauch ich mich nicht mehr zu schmücken
der Vogel gehört mir und lässt mir Federn genug.

Unter seinen Fittichen steige ich über die Dächer
und blicke auf Dachschäden, die man von unten nicht sieht
die trennenden Flüsse seh ich, die Versuche von Brücken
und im Vorbeiflug greif ich, was er braucht, aus der Luft.

Was ’ne Stadt, pfeift mein Vogel, ein Dreck mit Kulturerbeanspruch
wo das Denken, Denkmal für Denkmal entschleunigt, erlahmt
stehen bleibt vor dem Niederschlag eines Wahns unsrer Ahnen
und als reiner Tourist einen Schein in den Glücksbrunnen schmeißt.

O sancta simplicitas!, heilige Bausparverträge
O tempora mores!, Dasein durchdekliniert
Tannenbaum Unser, jährlich erlösen uns deine Geschenke
in die Krippe gekippt und als Fraß zu ’ner Soapshow serviert!

Er hat doch ein Rad ab, rufen die Leute von unten
Narren, schrei ich, ich hab einen Vogel, am Boden seid ihr
und kommt nicht vom Fleck fort vor lauter gestelzter Korrektheit
wir durchbrechen die Wolkendecke, während ihr dort krepiert.

Unter ihm lag in Schemen durch Nebel nur noch erahnbar die Welt
als der Vogel, schelmisch grinsend, die Krallen vom Opfer gelöst hat
die Bedeutung des Wortes ‚Fallhöhe‘ hat ihn im Sturz stark gequält
die Geschichte erzählen sich unten die Leute noch heute
und das Rückgrat brach sich am Ende so ziemlich real unser Held.

Bild dir meine eigene Meinung

Ich schaffe Augen als Auftragsarbeit
ich kenne Worte, die immer ziehn
ich kenn die Öde des Menschenalltags
und kenn die Träume, die auf ihm wachsen
und die Bereitschaft, sie zu schützen
oder, den Endsieg vor den Augen
zu prügeln durch die Wirklichkeit.

Für diese Absicht mache ich die Augen
versenke Hirngespinste mit Vergleichen
in dehnbare Begriffe auf den Arealen
und treibe an Extreme ihre Formbarkeit
ich will herausstechen aus ihrer öden Masse
und steche ihnen aus die blöden Augen
und setze meine selbst gegossnen ein.

Blick auf die Welt und siehe: deine Träume
von Dunkelheit umgeben, brachen aus.

Von Wegen

Alltagskitsch. in der Bahn

Mit ausgehöhltem Blick in eine Richtung
auf unbewusst gestellt in Bahnen stehn
manchmal ins Buch vertieft oft in den Bildschirm
wir unterwegs und mögen uns nicht sehn

und manchen trägt ein Track und wieder andre
lullt Alkohol auf ihren Wegen ein
mancher versteckt sich hinter Duft und Makeup
– und manchmal lächeln zwei. –

die Weltsicht steht so manchem an der Kappe
und die Gedanken sind wie immer frei
verfangen sich in harzgestählten Dreadlocks
– und manchmal reden zwei. –