Der Erzengel Gabriel sprach erneut. Ein Neologismus

In einem klugen Buch las ich vor kurzem, dass der Herr, um den Engeln ihren Platz zu zeigen und ihnen weiszumachen, dass sie nicht in alle seine göttliche Denkfäden einbezogen seien, dass bestimmte Leitungen Gottes vor dem Zugriff dieser reinen Geisteswesen also geschützt seien und nicht abgehört werden könnten, dass der Herr also zu diesem Zwecke Adam die Namen der Dinge lernen ließ und als er die Engel fragte, wie die Dinge hießen und die Engel nichts darauf antworten konnten, trat dieser jämmerliche Mensch, auf den sie ob seiner Sonderrolle vor Gott gleich von Anfang an eine Form geistiger Missgunst empfunden hatten, trat also dieser jämmerliche Mensch namens Adam, mit noch vollzähliger Rippenzahl, vor die Engel und verkündete bescheiden, wie die Dinge nun hießen.
Heute muss ich dies Gelesene revidieren: Erzengel können Dingen durchaus auch Namen geben und mein Lieblingserzengel, dieser durch sein permanent lächelndes pausbäckiges Auftreten wie ein Sedativum auf den in unserer Zeit so leicht beunruhigten Geist wirkende Minister des Herrn nannte ein Ding, das zu begreifen ihn viel seiner Geistesenergie gekostet hatte: Das 10%-Ghetto. Mit Müh und Not sei er aus diesem 10%-Ghetto entkommen, gestand er dem Herrn gleich darauf.
Der Herr schüttelte den Kopf und sagte: „Was mischt du dich da auch rein? Du bist ein Engel und nicht für jene Welt geschaffen.“
Dann fügte er leise hinzu: „Und den Namen hättest du auch klüger wählen können.“