Die Lasagne vom Vortag

„Der Einzelne kann nie etwas gegen das System ausrichten“, hatte ein guter Freund einmal gesagt und gleich darauf die Flasche so angesetzt, dass ihm die Hälfte seines Billigweins über den Hals gelaufen war.
„Das System kann das auch nicht“, sagte ich beruhigend, während ich beiläufig nach interessanten Posts Ausschau hielt, „es kann auch das Gegenteil nicht: etwas für sich ausrichten.“
An dieser Stelle platzierte ich eine bedeutungsschwangere Pause und fuhr dann fort:
„Genau genommen ist es eine impotente Abstraktionsleistung der menschlichen Ohnmacht – dein System.“
„Alter! Pass auf, was du hier formulierst!“, rief er.
Nach einer Weile murmelte er bereits versöhnlich:
„Dir geht’s doch auch nicht anders, Mann.“
„Wenn der Einzelne nichts gegen das System kann, dann ist das hier gerade absolute Zeitverschwendung“, sagte ich trocken und klickte ein Kästchen an, das ich sofort wieder bereute, „und wenn jeder Einzelne was gegen das System kann, dann gibt’s kein System oder nur eines im übertragenen Sinne, aber das interessiert mich dann auch nicht.“
„Und was interessiert dich?“, fragte er mit messendem Blick.
Ich dachte kurz nach. Dann beschloss ich, die Situation mit einem Witz aufzulösen.
„Pornos!“, antwortete ich und zwinkerte ihm ermunternd zu.
Da umarmte mich mein guter Freund liebevoll und sagte mir:
„Alter, ich auch. Komm her, am Ende sind wir beide ja doch nur Menschen!“
Nach dieser Liebesbezeugung war uns der Gesprächsstoff endgültig ausgegangen – was völlig okay ist – und wir hatten schweigend die Lasagne vom Vorabend gegessen.
Am nächsten Tag kam uns mal wieder deutlich zu Bewusstsein, dass das Verdauungssystem auch ein System ist.

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