Eine erbauliche Geschichte über den Kram

Es wird immer Sachen geben, die dich von den wichtigen Dingen abhalten, denkt sich mein erdichteter Hauptcharakter Alois Mühstrom, in einer dermaßen fiktionalen Welt, dass selbst ihre Fiktionalität noch erfunden ist und bereits ihre Erwähnung eine maßlose Lüge, Sachen, wie die auf der schäbigen Seite single.komm wahrgenommene Wortkombination Stars of Singles, mit der ein Vorgang bezeichnet wird, bei dem nach monatelanger Suche immer noch verzweifelte Beziehungs­fantikerInnen ihr Photo, über das man direkten Zugang zu einem nichtssagendes Profil mit Angaben zu Gewicht, Ausbildung und Kinderwunsch erhält, ganz oben auf der Seite anzeigen lassen können, in einer Leiste, aus der sie – je nachdem, wie viele solcher Stars es gerade gibt – ebenso schnell wieder an der anderen Seite rausgekickt werden und durch welche Aktion sie eher verraten wie erfolglos und verzweifelt sie sind; und Sachen wie die beiden Mädels in der Staats­bibliothek mit ihrem vielen Makeup und den Pushupbras, deren Funktion darin zu bestehen schien, die Luft jenseits des Brustkorbs auch in eine anständige Form zu pressen und die sich darüber unterhielten, wie viele Worte für eine nicht weiter thematisierte Arbeit von höherer Stelle aus gefordert würden; aber auch Sachen wie Gedichte, in denen jemand einen im übrigen privaten, aber wie er findet schönen Seelenzustand beschreibt oder sich in Zeilen über Missstände stoßweise aus­kotzt; ebenso wie ausladende und überhaupt nicht einladende und infolgedessen nur ermüdende und dement-sprechend nur sogenannte Spezialisten interessierende – und auch die nur aus Gründen des Broterwerbs –: Naturbeschreibungen, die nur zeigen wie verzweifelt diese Menschen etwas sagen wollen und wie erfolglos sie dabei sind aus dieser Welt ihre Schlüsse zu ziehen. Es wird immer Sachen geben, die dich von den wichtigen Dingen abhalten, sagt sich Alois Mühstrom und kommt sich dabei keineswegs erfunden vor, und es wird immer Leute geben mit Meinungen, die sich dahingehend ausdrücken lassen, dass du diese Sachen verfolgen sollst, weil sie die Sachen zwar sehen, von den Dingen aber keine Ahnung haben. Ich will aber einfach nur meinen Kram machen, beschließt er schließlich. Und da es dermaßen spät ist, legt er sich schlafen. Die Enttäuschung über sein Verhalten auf seiten der Anhänger der Sachen ist maßlos. Aber da diese Anhänger nur Teil einer fiktionalen Welt sind und demzufolge absolut nicht echt sind, findet die Geschichte hier einen glücklichen Ausgang, die Nacht legt sich über die Städte und Autor wie Leser finden darin den erlösenden Schlaf.