Zähne gefragt!

Nach einer wahren Begebenheit

Es geschah im Frühling des Jahres 2014, also vor ein paar Monaten, dass ich – damals ein paar Monate jünger als jetzt – auf meiner Suche nach Entdecktwerden, Gerühmtwordensein und Glänzen, also bei der Durchforstung diverser entweder regional gebundener oder anderweitig verhinderter, immer aber in irgend einem Sinne behinderter i.e. eingeschränkter und mir damals doch so wichtiger Lyrikwettbewerbe auf den anlässlich des 23-jährigen Bestehens seiner Zahnarzt-Praxis ausgeschriebenen Lyrikwettbewerb des Dr. Schuldtz-Frieden stieß. Nachdem ich darauf gestoßen war, war mir sofort klar gewesen, dass ich schon immer die gesellschaftliche Relevanz einer angemessenen lyrischen Behandlung nicht nur der Praxis von Zahnärzten, sondern auch und gerade der Zahnarztpraxis von Dr. Schuldtz-Frieden unbewusst gespürt und nur nicht zu deuten gewusst hatte. Die Seite des Herrn Schuldtz-Frieden hatte gereicht, um in meiner bisher so unstet im Diesseits umherschweifenden Seele einen radikalen Anamnese-Vorgang einzuläuten und so setzte ich mich und zögerte nicht einen Augenblick, meinen gesamten Abend (es blieben mir noch mindestens 20 Minuten bevor die letzten Vorschlafs-Vorkehrungen zu treffen waren) darauf zu verwenden, dieser anspruchsvollen Aufgabe zu genügen. Nach den über mehr als 20 Minuten höchster Inspirationskonzentration war mein Beitrag fertig, der aus einer freundlichen Kontaktaufnahme meinerseits, sowie einer feierlichen Übergabe der Rechte am Werke an die Praxis und dem eigentlichen Gedicht bestand und sich wie folgt ausnahm:

Lieber Dr. Schuldtz,

ich halte Zähne mit Geschmack für wichtig, aber mir sind nur Zähne mit Geschmack von Leuten mit Geschmack heilig. Der Seele mancher Menschen – besonders mancher Politiker – müssten der Entsprechung halber verfaulte Zähne angedeihen, die abschreckend wirken. Aber… – wir leben in einer Zeit, in der Technik und Wissenschaft die Kultur und die Moral längst überholt haben. Umso mehr muss ein Mensch mit strahlend-siegreichem Lächeln sich stets der Verantwortung bewusst bleiben, die instandgehaltene und unwahrscheinlich gesund scheinende Zähne mit sich bringen. Mögen bei korrupten und verlogenen Seelen die Zähne selbst die fürsorglichste Behandlung nicht überstehen, dass sie den Besitzern solche Schmerzen beim Reden verursachten, dass diese lieber schweigen. Amen!

Ich gratuliere Ihnen zum 20-jährigen Bestehen Ihrer Praxis und wünsche Ihnen die würdigsten Zahnerhaltungskandidaten mit den lautersten Absichten.

Mit strahlenden Grüßen,

Ihr Johann von und zu Schmelz

Einverständniserklärung

Hiermit erteile ich, Johann von und zu Schmelz, Dr. Detlef Schuldtz-Frieden die freie – wenn auch nicht alleinige – Verfügungsgewalt über mein in Sachen Zähne verfasstes Gedicht ‚Professionelle Reinigung. Eine Halb-Elegie-halb-Hymne‘ Er möge dies Gedicht zum Behufe der Entwicklung des Menschengeschlechts auf die Idee der Menschheit hin – weise nutzen.

Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist daher ohne Unterschrift gültig.

Professionelle Reinigung

Eine Halb-Elegie-halb-Hymne

Heut sind Zähne gefragt!

aber wie zeigt man Zähne

wenn im Mund alles faul ist

keine Aura – Gestank!

vor entzündetem Fleisch

jedes feurige Wort

schon beim Formen zurückschlägt

reinster höllischer Schmerz!

jedes strahlende Lächeln

unter schwarzen Belägen

längst vom Licht abgekapselt

nie das Auge erfreut?

Heut sind Zähne gefragt!

kein Stein, keine Lücke

gute Zähne mit Biss

und mit siegreichem Schmelz.

Wessen Zähne so weiß

wie der silberne Mondglanz

dessen Seele so rein

wie sie Bergluft nur ist.

Wessen Zähne gesund

dessen Auftritt halb fertig

dessen Publikum halb

schon gewogen und mild.

Geht und lasst einen Profi

euer Wesen veredeln

eine Hälfte ist euch

nach dem Eingriff gewiss.

Und dann geht aus der Praxis

zur eigenen Praxis

formt die andere Hälfte

und ihr lächelt zu Recht.