Kaffee und Kuchen gibt’s hinter Gittern!

Ihr gemeinsames Treffen zu Kaffee und Kuchen müssen sie sich nun wohl im Gefängnis einrichten. Das jedenfalls hat heute der Oberste Gerichtshof entschieden, nachdem die erstickende Beweislast der E-Mailkorrespondenz zwischen Waltraud Würg­ritz und Gertrude Schwitzbusen ans Tageslicht gekommen war. Der Versuch unter dem Betreff „Photos aus dem Griechenland­urlaub“ kinderpornographisches Material zu vermitteln, war trotz raffinierter Tarnung gescheitert. Auf etlichen Photos sieht man einen unmissverständlich nackten Jungen im Alter von etwa fünf Jahren, den Waltraud, die sich gerne als „Die Omi“ bezeichnet, versucht für ihren „Enkel“ auszugeben. Ein im Rahmen der Ermittlungen vollzogener Vaterschaftstest an Würgritzens Sohn hat jedoch das Gegenteil ergeben, dass der Junge nicht sein Sohn ist und also auch nicht ihr Enkel sein kann.
Auf den anstößigen Inhalt der E-Mail der Würgritze war Er­mittler Gregor Müllimsack bei einer Routineuntersuchung ge­stoßen: „Wir können natürlich net alles checken, das geht ja wegen der massiven Menge net, wir greifen halt nach bestimm­ten Gesichtspunkten eben mal Verdächtiges raus und beleuchten das dann eben mal halt mal eben näher“, seine Worte.
Dank seiner Zusammenarbeit mit der NSA stellen zum Glück solche Eingriffe keine Schwierigkeit dar.
An der Mail, die „die Omi“ der „Trudi“ geschickt hatte, waren dem Ermittler sofort die Worte „kleiner Pillermann“, „symbolischer Betrag“ und Schwitzbusens „Zukunft, was Kinder angeht“ aufgefallen. Und tatsächlich fand er unter den Photos, als er diese öffnete, ein großzügiges Bild, auf dem sich der kleine Berti, wie die Natur ihn geschaffen hat, nach einem Spielball beugte, „eine hocherotische Pose“, wie der Ermittler erklärte. Das bestätigte auch sein Vorge­setzter, Kriminalkommissar Schuldtz: „Also Entschuldigung! Der Junge steht so da… – Also bitte! Der schreit ja förm­lich danach. So allein am Stand mit dem Ball, schutzlos und ausgeliefert. Das passt ja wie angegossen für Phantasien Perverser. Man muss schon blind sein, um die kinderporno­graphische Message des Bilds nicht zu erkennen!“
Das Gerechtig­keitsempfinden Schuldtz‘ war dermaßen erregt worden, dass Müllimsack sich veranlasst sah, nach dessen Hand zu greifen und beruhigend auf ihn einzuflüstern. Sein Blick war dabei vorwurfsvoll.
Auch das im Anhang befindliche Photo, das Waltraud Würgritz mit Hängebrüsten am Strand zeigt, konnte nicht über das Offensichtliche hinwegtäuschen und war eher abschreckend und, wie sich der Richter höchst­persönlich äußerte, „geschmacklos“.
Zwar hatten die Frauen versucht die symbolische Zahlung da­durch zu erklären, dass sich der Betrag auf die Keller­wohnung beziehe, in der die Stieftochter Würgritzens – nach dem Tod des Vaters depressiv und arbeitslos geworden – lebte und die „Zukunft, was Kinder angeht“ mit der Kinderlosigkeit der Depressiven. Auch zeigten sie keinerlei Verständnis für die Schwere des Vergehens und versuchten die verbrecherische Handlung als „Familienphoto“ abzutun, aber die Gerechtig­keit, die muss, siegte: Als der kleine Berti in den Zeugen­stand aufgerufen worden ist, begann er lauthals zu weinen und brachte kein Wort hervor.
„Ach bitte! Niemand fährt heute einfach so nach Griechen­land!“, so eine Nachbarin der Angeklagten, die einen Bienen­stich verspeiste.
Das in Würgritzens Mail vorgeschlagene Treffen zu Kaffee und Kuchen – ein Versuch wieder ein innigeres Verhältnis zur isoliert im Keller lebenden Stieftochter aufzubauen – müssen die beiden Damen nach dem Richterspruch also wohl im Gefäng­nis einrichten.
Schlimmer trifft es Johann Würgritz, den von seiner Ehefrau verlassenen vermeintlichen Vater des Kindes, der als Organi­sator des sogenannten „Urlaubs“ der Mittäterschaft bezich­tigt und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden ist: Wie er selbst gestanden hat, mag er weder Kaffee noch Kuchen.

Eine Kopie der Mail der Großmutter, freundlichst von Google zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:

Liebe Trudi,

Griechenland ist herrlich! Was wir für ein Wetter hier haben und was für ein Meer! Den berühmten Appelltempel haben wir hier auch mal kurz besucht, aber gegen das Meer kommt er einfach nicht an. Ich hab dir paar Photos geschickt, schau dir besonders das mit Berti an. Wie er stolz seinen kleinen Pillermann hängen lässt! Der weiß ja noch gar nicht, was auf den alles zukommt. Griechenland ist ganz-ganz toll! Tut mir leid, Trudi, dass dein Geld nicht gereicht hat, um mit uns zu kommen, aber du brauchst halt eine anständigere Arbeit. Archeologie ist halt nichts Beißfestes, das hab ich dir ja schon immer gesagt. Aber wann hört die Trudi schon auf die Mutti? Den symbolischen Betrag kannst du mir diesmal symbo­lischerweise pünktlich überweisen. Wenn wir erholt zurück aus dem Urlaub sind, Johann, Berti und ich, dann können wir beiden doch wieder mal einen unserer Kaffeekränzchen veran­stalten und deine Zukunft besprechen (auch, was Kinder an­geht), vielleicht kommen wir ja noch zu was. Jetzt muss ich aber los, der Strand ruft!

Kussi, die Omi