Mein neues Leben. Teil 1

Ich hatte in der Nacht schlecht geschlafen und trotz des herrlichen Sonnenscheins, der mich um 7:15 mit einem seiner Strahlen spielerisch ins Gesicht gestupst hatte, wie um zu sagen: „Wach auf, Kumpel, wenn du es nicht tust, tut es keiner für dich!“, war ich erwartungsgemäß müde und mit einem Kompostgeschmack im Mund aufgewacht, den ich unter Zuhilfenahme eines Kaugummis vom Nachttisch sofort liquidieren musste. Die Glassplitter vom zerbrochenen Spiegel vom Vortag hätte ich besser gleich gestern Abend wegfegen sollen, als morgendlich verschlafenem barfüßigem Badezimmerbesucher mussten mir diese zwingend negativ auffallen.
Ich tat noch andere Dinge, die ähnlich uninteressant sind.
Dann ging ich unter dem Schutz eines viel zu weiten geerbten Mantels treppab auf die Freiheit der morgendliche Straßen zu und wäre nicht der Postkasten gewesen, es würde sich kein Wort von diesem verewigungsuntauglichen Tag im weltweit-weiten Netz und damit in den Hirnen von sensationshungrigen und unterhaltungslustigen Usern und Nutzern finden.
Als ich das Kuvert inmitten von Pizzawerbung, Sushiwerbung, Zeitschriftenwerbung, Umzugshelferwerbung, Entrümpelfirmenwerbung, Staubsaugerwerbung, Rechtsanwaltsbürowerbung, Berliner Zeitung, Realwerbung, Lottogewinnspielsspielgewinnwerbung, Reisebroschüren (Werbung) und ein paar Mahnungen, deren Inhalte ich schon vor Wochen erahnt und die ich deshalb vorsorglich in der Metallbox gelassen hatte, erblickt hatte, kam es zuerst zu unbegründeteter maßloser Freude, wie es immer passiert, wenn ich einen Brief nicht erwartet hatte und nun ist er da. Man hatte mich also entdeckt. Endlich war ich also –
…aufgefordert Ihren neuen Ausweis beim Bürgeramt abzuholen.

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