performative alternative

Ein nicht-aufführbares szenisches Gedicht

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Personen: Trandy und Chor

Eine Bühne. Vorne steht ein Mikro, davor ein leerer Pappbecher. Der Vorhang hebt sich und es kommt der dahinterstehende Chor zum Vorschein.

Chor:
ich bin mode & so
wie ich bin – dien dir als leitbild
was ich tu – sei deine handlungsanweisung
wie ich ankomme & wie ich dann da steh
wenn alles vorbei ist –
cut & raus aus’m clip
der ein leben zu sein hat:

Chor verharrt reglos. Trandy betritt nun die Bühne und nimmt das Mike in die Hand.

Trandy:
ich bin 365/∞-
bart-brillen-träger ( laut mit dem Chor zusammen:) aus horn!
führ durch gläser regie
& spiel selbst ne rolle im spiel
bin performance der alternative
zu dem was der rest lebt
@filmfestival&@volksfest

ich bin bar-kenner, mann
kein urinal in der stadt
das mein pissstrahl versäumt hätt
keine bedienung in deren gläsern es nicht
auch für mich ( laut mit dem Chor zusammen:) nachts!
schon heftig geschäumt hätt
bis der laden geräumt ward

bin der flaschensammler
der sprache, bück mich nach sätzen
die andere fallen lassen
pick mit den augen absurde bzw.
groteske bilder & gesten
& hab kein‘ plan, (mit nachdenklichem Chor zusammen:) mann
ob’s da drauf auch ’n pfand gibt

ich bin die sinnesreizsucht
bin gereizt, wo nichts zustößt
brauch events wie vom fließband
niemand war je am leben so nah dran
bin am grund und boden des seins
angelangt, mann, (Chor macht Anstalten, hält sich dann aber zurück:) hart & geil
wie beton & asphalt, mann.

bin poet_in_process
resp. dichter@work
und hab hunger –
also wirf schon was rein, mann.

Chor stürzt auf Trandy zu und trägt ihn weg.
Vorhang fällt.