Unser gemeinsamer Weltanschauungsgulasch

Auszug aus einem Monolog.

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Hat jemand das Wort Weltsicht verlautbaren lassen? Eitler Gedanke! Wir ernähren uns von Welt­anschauungsgulasch, das mit immer höherem Druck in unsere Sinnesorgane gepresst wird. Da findet sich alles drin, angeteaserte Jahrtausende Menschheitsgeschichte rasen durch den Verdauungs­trakt und wir ahnen nur, dass jedes dieser Fragmente zu etwas Größerem gehört, das wir bei solcher Dynamik nicht mehr herausschmecken können. Für unsere Werbeslogans reicht ja meist auch nur eine Ahnung von den Religionsstiftern und Philosophen, von den Naturwissenschaftlern und den Riesen der Technik, von Gesellschaftsstrukturen und gegenwärtigen politischen Ereignissen, von der Demokratie und Diktatur, von Liebe und Pflicht und was noch alles – ich tu es ja gerade selbst vor und schauen Sie, wie prächtig es funktioniert. Nein, meine Damen und Herren, Sinnsalat, Welt­anschau­ungs­gulasch, Erlebnishackfleisch, von mir aus selbst ein Empfindungspudding zum Dessert, aber lassen Sie uns das Wort Weltsicht fortan bitte nicht mehr benutzen. Es ist eine Vermessenheit unserer Ahnen und hat mit unserer Zeit rein gar nichts mehr zu tun.

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